Im Jahr 391 verfasste der heilige Augustinus eine Mönchsregel, nach der viele Ordensgemeinschaften ihr Leben ausrichten - auch wir. Wir merken, dass diese Regel im Laufe von über 1.600 Jahre keinen Staub angesetzt hat, sondern heute immer noch hoch aktuell und hilfreiche Orientierung ist. Ergänzend zur augustinischen Regel ist natürlich der Geist der Gründerin Quelle unserer Spiritualität.
Nur indem wir für andere leben, bekommt unser Leben einen Sinn. Mit dieser Überzeugung hat sich Mutter Irmina Hoelscher in den Dienst der Liebe gestellt.
Von Kindheit an galt ihre
Liebe und Zuwendung den Armen, besonders Frauen, deren sozialer und bildungsmäßiger Status sehr niedrig war. Begnadet mit einem flexiblen, offenen Geist verstand sie sich und die von ihr gegründete Gemeinschaft als "
Werkzeug des Hl. Geistes".
Sie unterstellte unsere Gemeinschaft der Ordensregel des Hl. Augustinus, die ebenfalls auf dem
Grundideal der Liebe aufbaut.
Es ist unser Charisma, "eine lebendige Gemeinschaft im Heiligen Geist zu sein". Unser schwesterliches Zusammenleben und unsere Arbeit wird geprägt von dem Apostelwort "
Dienet einander in Liebe... Lasst euch vom Geist leiten" (Gal 5,13.16).
Entsprechend dem Eifer und der Vision der Gründerin ist unsere Gemeinschaft von Beginn an bemüht, dynamisch den Bedürfnissen der Zeit Rechnung zu tragen und die Liebe Gottes durch ihre Werke sichtbar zu machen.
"Wo die Liebe ist, da muss sie tätig sein" (Augustinus)
Die Erfahrungen der schweren Gründungszeit haben unsere Gemeinschaft gelehrt, was das Schriftwort vom Weizenkorn aussagen möchte: "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein;
wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht" (Joh 12,24).
Wer das Weizenkorn ängstlich aufbewahren möchte, wird nie erleben, wie es reiche Frucht bringt. Nach menschlichem Ermessen wäre unsere Gemeinschaft bereits in der Gründungsphase gescheitert. Und auch in der weiteren Geschichte gab es immer wieder Zeiten, in denen unsere Zukunft in Frage gestellt war. In einem ängstlichen Verharren und mit Mutlosigkeit hätten wir diese Zukunft nicht gehabt.
Der Heilige Geist dagegen steht für
Offenheit, Freiheit, Beweglichkeit, Veränderung, für das Leben überhaupt. Als Schwestergemeinschaft, die sich der Leitung des Heiligen Geistes anvertraut hat, haben wir jedoch immer wieder Neues gewagt und unsere Gemeinschaft entsprechend den Zeitverhältnissen angepasst. Wir sind beständig auf dem Weg.
In unserer Lebensregel heißt es: "
Dem Anliegen der Gründerinnen entsprechend, wollen wir uns offen halten für die Erfordernisse und Aufgaben der Zeit".
Dabei ist uns wichtig zu sehen und zu hören, was dem Geist entspricht. Es geht um eine Entscheidungsfindung aus dem Glauben heraus.
Das
Hinhören auf das, was Gottes Geist uns sagt, geschieht für uns im Wahrnehmen der Zeichen der Zeit, im gemeinschaftlichen Austausch und wesentlich im Gebet, in Meditation und der gottesdienstlichen Feiern.
Die
Zeiten des Gebets sind daher für uns nicht in erster Linie Fixpunkte einer von außen auferlegten Tagesordnungen oder klösterliche Pflichtübungen, sondern
Lebenselemente, ohne die wir unseren Dienst auf Dauer nicht tun könnten. Ohne diese Lebenselemente würde all unser Tun seinen
Zeugnischarakter verlieren.