Ob die ersten Schwestern sich hätten träumen lassen, welche Entwicklung ihre junge Gemeinschaft von Koblenz aus ins gesamte Bistum Trier und schließlich bis nach Indien nehmen würde? Sie ahnten damals auch nicht, welche Rückschläge, Herausforderungen und Aufgaben die Kongregation meistern musste.
Der frühe Tod von Schwester Irmina, der Stifterin und ersten Oberin, war für die kleine Gemeinschaft ein herber Verlust. Zu ihrer Nachfolgerin wurde Mutter Anastasia, geb. Mathilde Jesse, bestimmt.
Als 1859 die erste Gelübdeablegung anstand, fehlte eine weitere Schwester, die die Gemeinschaft inzwischen wieder verlassen hatte. Im folgenden Jahr verstarb Schwester Modesta an einem Lungenleiden. Mutter Anastasia folgte ihr wenig später nach. Somit war nach drei Jahren der Gründung von der Gründergeneration niemand mehr übrig - außer Pfarrer de Lorenzi.
Die Saat geht auf.
Dass diese schweren Verluste in der Gründungszeit nicht zum vorzeitigen Ende der hoffnungsvoll begonnenen Gemeinschaft geführt haben, ist wohl auch ein Verdienst de Lorenzis. Mit seiner Hilfe hielt die kleine Schar der Übriggebliebenen, drei Professschwestern und drei Novizinnen, zusammen und festigte sich.
So zählte die Genossenschaft 1866 bereits 15 Professschwestern, drei Novizinnen und sechs Postulantinnen.
Die weiterhin wachsende Zahl der Schwestern machte einen erneuten Umzug vom Haus in der Florinpfaffengasse in das neu eingerichtete Mutterhaus am Löhrrondell nötig. Hier war nun auch Platz um Kranke, hilfsbedürftige Kinder und pflegebedürftige Alte aufzunehmen.
Dank der größeren Zahl verfügbarer Schwestern konnten nun Aufgaben außerhalb von Koblenz übernommen werden.
1866 gründete die Kongregation eine Niederlassung in Dudweiler, einer der größten Arbeiterpfarreien an der Saar, um dort im Unterricht und in der Krankenpflege tätig zu werden. 1868 gingen sie an das Hospital in Saarburg.
Profilierung im Kulturkampf
Doch 1875 kam es im Rahmen des Kulturkampfes zu einem tiefgehenden und für die weitere Entwicklung bedeutsamen Einschnitt. Im Rahmen des Kampfes der preußischen Regierung gegen die katholische Kirche mussten viele Ordensgemeinschaft Deutschland verlassen. Die Arbeit der Kirche und kirchlicher Organisationen wurde erheblich eingeschränkt. Auch den Schwestern wurde der Schulunterricht untersagt. Allein sozial-karitative und krankenpflegende Tätigkeiten blieben ihnen erlaubt. So waren sie gezwungen diesen Verfügungen Rechnung zu tragen und erklärten die Krankenpflege zur ausschließlichen Berufsaufgabe der Kongregation. Seither trägt die Gemeinschaft den Namen "Schwestern vom Heiligen Geist".
Eine Zeit des Wachsens...
Nach dem Ende des Kulturkampfes wuchs die Schwesterngemeinschaft bis zum Beginn der Hitler-Diktatur stetig weiter. 1888 zog das Mutterhaus vom Löhrrondell in den neu erbauten Marienhof in der Moselweißer Straße, wo es sich bis heute befindet; seit 1903 eng verbunden mit einem großen und leistungsfähigen Krankenhaus.
Von der Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg gab es 24 Filialgründungen, davon 3 außerhalb des Bistums.
...und eine Zeit des Schrumpfens
Nach dem Zweiten Weltkrieg lassen Neueintritte erheblich nach. Schließungen von Niederlassungen waren die zwangsläufige Folge. Das Gros der Auflösungen fällt in die siebziger Jahre. Die Kongregation der Schwestern vom Heiligen Geist hat damit Anteil an der allgemeinen Entwicklung, wie sie sich seit diesen Jahren - zumal in Deutschland - abzeichnet.
Bereichert von Indien
Zur gleichen Zeit stellt aber auch eine genau gegenläufige Entwicklung die Kongregation vor neue, schwierige, aber auch verheißungsvolle Aufgaben. Mit dem Eintritt zahlreicher junger Inderinnen in die Gemeinschaft, eröffnete sich die Chance, in dem großen Subkontinent Indien sozial-karitativ tätig zu werden. Zwischen 1974 und 1981 wurden fünf Niederlassungen gegründet, die von indischen Schwestern geleitet werden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gibt es nun eine positive Entwicklung. Die Postulantinnen und Novizinnen wachsen in Indien selbst in ihr Leben als Heilig-Geist-Schwestern hinein. Die Entwicklung der Gemeinschaft in Indien ist von einer großen Dynamik, welche die Kongregation insgesamt bereichert.
Wie ein Mensch durch den Lauf seines Lebens geprägt wird, so hat die Geschichte auch die Arbeit und den Geist der Schwestern vom Heiligen Geist geformt. Bei allen Rückschlägen, Umwegen und Schwierigkeiten, bei nötigen Änderungen und Anpassungen gab jedoch immer der Geist der Gründer und die Ordensregel verlässliche Orientierung.
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